Den Groove der Genre-Woche Jazz/World/Blues unterlegen wir noch mit einem tighten Beat und bitten Daniel Shaked zum Interview. Daniel ist Herausgeber des österreichischen HipHop-Magazins The Message und arbeitet als freier Fotograf in Wien. Für die Amadeus Austrian Music Awards hat er als Mitglied der Jury seine Favoriten in der Kategorie HipHip/R'n'B nominiert und im Gespräch die heimische HipHop-Szene unter die Lupe genommen.
Kann man HipHip aus Österreich auf einen gemeinsamen Nenner bringen?
Daniel Shaked: Nein, nicht wirklich. Die Szene ist wie andere Musikgenres auch unterschiedlich, in verschiedene Lager und Stile aufgeteilt.
Zum ersten Mal hat es in diesem Jahr ein aus Österreich kommender HipHop-Track (Skero – „Kabinenparty“) in die Top 10 von Ö3 geschafft. Was bedeutet das für die heimische HipHop-Szene?
Daniel Shaked: Das ist ein großer Impuls, ein Scheinwerfer auf die medial bisher kläglich vernachlässigte heimische HipHop-Musikszene. Andererseits wird dies auch eine Art Gradmesser sein, wie bereit Österreich für diese Musikrichtung ist, ob es die „Szene“ schafft nachzulegen, ob die Strukturen greifen und es nicht als ein Sommer-One-Hit-Wonder abgetan wird. Überzubewerten ist es jedoch nicht, da der Track im Grunde genommen ja verschiedene Genres bedient und somit massenkompatibler wird. Er wird ja auch nicht als HipHop-Song wahrgenommen, ganz im Gegensatz zum Album.
Du bist Herausgebeber des HipHop-Magazins The Message. Inwieweit finden heimsiche HipHop-Acts in eurem Magazin eine Plattform?
Daniel Shaked: The Message ist das einzige Printmedium, das sich regelmäßig (seit 1997) in Österreich mit HipHop, Funk, Soul und urbaner Musikkultur auseinander setzt. Der Fokus lag dabei immer auf der heimischen Szene, ihr genau diese Plattform zu bieten und in unserem Bereich guten Musikjournalismus zu betreiben – denn dieser fehlt diesem Land. Der Fokus liegt dabei aber immer auf bestmöglicher Qualität.
Wie wird deiner Meinung nach der Amadeus Award innerhalb der Szene wahrgenommen, in einem Genre, das gern das Prädikat „Underground“ für sich in Anspruch nimmt?
Daniel Shaked: Noch nicht wirklich als etwas Außergewöhnliches, zumal es ja das zweite Mal ist, dass der Award an ausschließlich heimische Acts gehen wird. Zuvor war HipHop und sein Umfeld ja nicht mal am Radar. Die Rezeption hat aber sicherlich nichts mit Underground-Mentalität oder ähnlichem zu tun, sondern lediglich mit der Außenwahrnehmung, als auch der Stellung des Preises innerhalb der österreichischen Musiklandschaft. Dieser vollzieht gerade einen Wandel hin zu mehr Beachtung und Relevanz. Mit viel Raum nach oben ... Mit ein Faktor, dass es letztes Jahr nicht ganz so positiv aufgenommen wurde, war sicherlich der Umstand, dass der für viele logische Sieger der Kategorie leer ausging. Kamp legte das beste Rap-Album des deutschsprachigen Raums (von Juice ausgewählt; Anm.: größtes europäisches HipHop-Magazin) der letzten zehn Jahre hin.
Bringt der Gewinn des Amadeus Austrian Music Award einen Künstler/ eine Band im Musikbusiness weiter? Werden dadurch Produzenten oder Plattenfirmen aus dem Ausland aufmerksam?
Daniel Shaked: Das kann ich nicht beurteilen, das müsst ihr am besten wissen. Ich denke dennoch, dass, wenn sich das Image in Österreich wandelt, wird ein Gewinner auch außerhalb besser wahrgenommen und geschätzt werden. Was das Ausland betrifft, so zählen dort mehr als bei uns Talent und gute Produktionen. Mit oder ohne Preis.
In diesem Jahr ist im Genre HipHop/R’n’B kein R'n'B-Künstler vertreten. Ist die Szene in Österreich so klein oder findet der Output zu wenig Beachtung?
Daniel Shaked: R'n'B ist in Österreich momentan fast zu vernachlässigen. Dafür boomt die elektronische Schiene, die aus dem HipHop stammt. Siehe The Clonious oder Dorian Concept.
Gab es für dich als Juror in deinem Genre Überraschunen bei den Nominees?
Daniel Shaked: Nein, ich finde sie allesamt gerechtfertigt.
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