Ob Alkbottle, die Leningrad Cowboys oder Rammstein – Andi Appel ist seit Jahren als Musik-Journalist, Booker und Promoter in den härteren Ecken des Musikbusiness unterwegs und kennt sie alle. 2002 hat er seine eigene Promotion-Agentur gegründet und fühlt als Jurymitglied in der Kategorie „Hard & Heavy“ der heimischen Rock- und Metal-Szene auf den Zahn.
Was hat sich im vergangenen Jahr im Genre „Hard & Heavy“ in Österreich getan? Gibt es Veröffentlichungen oder Neugründungen, die hervorgehoben werden müssten?
Andi Appel: Es hat sich einiges getan: eine Vielzahl an qualitativ hochstehenden neuen Alben, eine große Menge an gut besuchten Konzerten und Tourneen sowie eine stetig voranschreitende Etablierung von österreichischen Hard & Heavy-Festivals wie Kaltenbach Open Air, Metalfest Austria,...
Bist du mit der Kategorie „Hard & Heavy“ zufrieden? Würdest du eine Unterteilung in Metal, Punk und Hardcore besser finden oder gibt es dafür nicht ausreichend genügend Künstler in Österreich?
Andi Appel: An ausreichend Künstlern würd’s net scheitern. Aber wenn man jede Kategorie in einzelne Subgenres zerlegt, wird (alleine – aber nicht nur – im Rock-Bereich) die Liste ewig lang und dadurch unübersichtlich und auch schlichtweg uninteressant. Und die Verleihung/Show würd’ sich noch mehr ziehen, als ohnedies schon. (grinst)
Wie findest du die Rundumerneuerung der Amadeus Austrian Music Awards die 2009 begonnen wurde und in diesem Jahr fortgesetzt wird?
Andi Appel: Durch die Aufnahme einer „Hard & Heavy“-Kategorie gewinnt der Amadeus enorm an Anspruch und Qualität. Wenn man jetzt auch noch beginnt, alle anderen Kategorien sukzessive zu streichen ... Im Ernst: Der eingeschlagene Weg ist ein guter, wenngleich natürlich weiterhin viel Spielraum für Änderungen und Verbesserungen bleibt. Ohne jetzt einen konkreten Alternativ-Vorschlag anbieten können zu wollen, halt ich z.B. das aktuelle Voting-System für diskussionswürdig.
Wie stehen die Metaler, Hard Rocker und Vertreter der härteren Gangart zum Amadeus Award? Welchen Zuspruch erfahren die Nominierungen in der Szene?
Andi Appel: Die „Aufnahme“ von Rock/Metal beim Amadeus wurde in der Szene auf alle Fälle wahrgenommen und diskutiert, naturgemäß mit unterschiedlichen Ansichten. Aber ich denke, dass sich die Musiker über eine Nominierung freuen und auch, wenn ein gewonnener Amadeus keine Garantie für den großen Durchbruch bedeutet, so erfreut man sich doch (zumindest vorübergehend) einer, auch medial, größeren Aufmerksamkeit innerhalb und vor allem auch außerhalb der Rock/Metal Szene. The Sorrow (Anm.: Gewinner der Kategorie „Hard & Heavy“ 2009) haben das im Vorjahr schön unter Beweis gestellt.
In der Kategorie „Hard & Heavy“ sind die nominierten Bands – sagen wir mal – keine „Frischgefangten“. Ist das ein Indiz dafür, dass wenig qualitativ-hochwertige Acts nachkommen oder dass es in dem Genre einfach länger dauert, bis sich Name und Stil einer Band etabliert haben?
Andi Appel: Weder noch. Man kann sich sehr schnell etablieren und es kommen auch laufend hochwertige Bands nach. Die objektiv besten – und daher zur Recht nominierten – Genre-Alben des Jahres kommen halt diesmal von Bands, die schon länger dabei sind. Und es ist wohl nichts Falsches daran, wenn ein Amadeus an Musiker geht, die seit Jahr(zehnt)en Unmengen an Zeit, Geld, Arbeit usw. in ihre Band investieren.
Dem Genre Gitarren-Rock und Metal im Besonderen wird von manchen Stimmen seit vielen Jahren das Aus prophezeiht. Was ist es, das deiner Meinung nach das Genre am Leben hält?
Andi Appel: Ich hör’ zwar ab und zu Stimmen, aber solche eigentlich nicht. Zumal das Gegenteil der Fall ist und Rock/Metal gerade ziemlich boomt. Was natürlich auch damit zu tun hat, dass hier eine wesentlich engere (emotionale) Bindung zwischen Fan und Band besteht als zwischen Acts, die nur kurzfristige Trends bedienen und deren Käufern, die sich dann eben der nächsten musikalischen Mode-Erscheinung zuwenden. Metal hingegen verkauft zumindest vergleichsweise noch sehr brav CDs (weil: Cover, Booklet, Texte, Sammlung ausbauen, Bands persönlich unterstützen, usw.); „echte“ Rockkonzerte/-Festivals setzen sich längerfristig gegen Plastik-Playback-Shows durch. Das erkennt auch die obligat langsame Industrie, wobei der Rock/Metal-Fan mündig genug ist, um sich seine Meinung zu einzelnen Veröffentlichungen und Veranstaltungen zu bilden.













