SCHUBLADEN FUNKTIONIEREN IMMER WENIGER

09.08.2010 Schubladen funktionieren immer weniger

Thomas Heher, Herausgeber und Chefredakteur des Jugendmagazins TBA, ist Jurymitglied in der Kategorie „Alternative“. Für ihn sind die Amadeus Austrian Music Awards eine wichtige Präsentationsplattform für heimische Künstler – vor allem für Newcomer. 
 

2009 wurde der von vielen Seiten als längst fällig angesehene Relaunch der Amadeus Austrian Music Awards in die Tat umgesetzt. Welche Perspektiven haben sich den Amadeus Austrian Music Awards durch diesen Relaunch geboten?
Heher: Ein etwas in die Jahre gekommenes Konzept und Verfahren wurde durch ein weitaus dynamischeres ersetzt, das den wichtigsten Faktor, nämlich das Publikum, berücksichtigt. Dieses erfährt so einerseits in seiner Rolle als Mitentscheider eine größere Wertschätzung und identifiziert sich andererseits stärker mit dem Preis. Am wichtigsten ist jedoch aus meiner Sicht die starke Fokussierung auf heimische KünstlerInnen, die so eine offizielle und breite Plattform vorfinden, auf der sie ihre Arbeiten präsentieren können.

Ein perfektes Abbild über das Musikschaffen im Land schaffen – dieses Ziel hat Hannes Eder im Bezug auf die Amadeus Awards formuliert. Wenn Sie sich die aktuellen Kategorien und Nominierungen ansehen: Schaffen das die Amadeus Austrian Music Awards in diesem Jahr?
Heher: Die Nominierungen bilden in der Tat ein gutes Bild der vitalen und vielfältigen Musikszene in Österreich ab. Die dieses Jahr zum ersten Mal umgesetzte Kombination der Nominierungen durch Jury-Entscheid und Verkaufserfolg trägt zudem zur Schärfung bei. Wie bei anderen ähnlichen Preisverleihungen, zeigen die Kategorisierungen beim Amadeus jedoch ein grundsätzliches wie auch immanentes Problem auf – dass Schubladen in der Musik von Jahr zu Jahr weniger funktionieren. Auf Grund vieler Einflüsse und Anleihen sind Stilrichtungen nur rudimentär homogen, und so kommt es zu einem teils kurios anmutenden Zusammentreffen von unterschiedlichsten KünstlerInnen in ein und der selben Kategorie.

Können Awards wie dieser dazu beitragen, österreichischen Artists international zu mehr Bekanntheit zu verhelfen?
Heher: Die internationale Anerkennung zu forcieren, wird im zweiten Jahr nach dem Relaunch sicher die große Herausforderung für den Amadeus. Selbstverständlich stärkt ein Award das Selbstbewusstsein von jeder/m KünstlerIn, macht sich hervorragend in einer Band-Bio und hilft auch auf dem internationalen Parkett weiter. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch am heimischen Markt noch viel Potenzial, den Amadeus selbst, die Nominierten und in weiterer Folge die GewinnerInnen in das Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit zu rücken.

Wie ist es Ihrer Meinung nach um das Selbstvertrauen österreichischer Acts bestellt?
Heher: Viel zu oft blicken heimische KünslterInnen neidisch ins Vereinigte Königreich oder nach Deutschland. Dabei braucht sich ein Großteil ganz und gar nicht verstecken und kann sich ohne weiters im internationalen Vergleich messen. Einzig der Markt selbst, sprich die Medienlandschaft, Infrastruktur und in weiterer Folge auch das Konsumverhalten, ist hierzulande noch weniger entwickelt und gleichermaßen auch Hemmschuh beim Sprung über die Grenzen hinweg.

Sie sind Jury-Mitglied in der Kategorie „Alternative“. Sind Sie von den diesjährigen Nominierungen in diesem Genre überrascht oder haben Sie genau damit gerechnet?
Heher: Es haben sich im Verlauf des Jahres schon einige FavoritInnen herauskristallisiert, die sich nun auch unter den Nominierten wiederfinden. Große Überraschung gab es für mich hier also nicht, aber es freut mich besonders, dass sich neben bereits etablierten Künstlern wie Garish, Ja, Panik und Bauchklang auch zwei Newcomer – Der Nino aus Wien und The Beth Edges – zu den Nominierten zählen dürfen.


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